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Autonomes Fahren

Autonomes Fahren
Pressebildarchiv/Bosch

Autobahn A9, mitten in Bayern. Eine Oberklasse-Limousine kämpft sich mit anderen Pendlern durch den Feierabendverkehr, setzt den Blinker und überholt eine LKW-Kolonne. Soweit nichts Besonderes. Doch der Fahrer betätigt weder Gaspedal, noch Lenkrad oder Blinker. Das Auto fährt automatisch. Was sich wie Science Fiction liest, ist tatsächlich Realität. Zumindest auf diesem Teilabschnitt der A9 zwischen Ingolstadt und Nürnberg, wo Audi sein Projekt „Pilotiertes Fahren“ testet.

Und der Premium-Hersteller ist nicht allein. In Zusammenarbeit mit renommierten Automobilzulieferern wie Bosch oder Continental, die entsprechende Komponenten und Systeme liefern, testen zahlreiche Automobilhersteller bereits heute ausgiebig autonomes oder zumindest teilautomatisiertes Fahren. 

Erste Systeme des teilautomatisierten Fahrens befinden sich bereits in aktuell erhältlichen Autos. Theoretisch betrachtet, müsste man diese Systeme „nur“ miteinander verbinden und man könnte ohne einen Finger – und einen Fuß – zu rühren, das Auto selbst fahren lassen.

Autonomes Fahren ist schon heute möglich

Aktuelle „Spurhalteassistenten“ etwa registrieren ein Abkommen von der Straße und können das Auto eigenständig zurück in die Spur lenken. „Abstandsregelautomaten“ sind in der Lage, den Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen durch Eingriffe in die gefahrene Geschwindigkeit durch Gas geben oder Bremsen selbsttätig zu regeln. Noch einen Schritt weiter gehen die sogenannten „Stauassistenten“, die einen „Abstandsregelautomat“ mit einem „Spurhalteassistenten“ kombinieren. Dieses Fahrerassistenzsystem kann somit beschleunigen, bremsen und lenken.

Im Kleinen funktioniert das bereits heute quasi auf Knopfdruck: Selbst für viele Kleinwagen lassen sich mittlerweile selbsttätige Einparkassistenten ordern, die das Auto automatisch in Parkbuchten einparken können.

Autonomes Fahren wäre grundsätzlich also schon heute möglich. Zumindest dann,

wenn die Geschwindigkeiten nicht allzu hoch und die äußeren Bedingungen nicht zu komplex sind.

Volkmar Denner Vorsitzender der Geschäftsführung von Automobilzulieferer Robert Bosch

Das größte Problem dabei: die rechtliche Situation. Denn aktuell sehen unsere Verkehrsregeln im Individualverkehr keine automatisch fahrenden Fahrzeuge vor: nach wie vor gilt das Wiener Abkommen von 1968, das autonomes Fahren im Alltag ausschließt. 2014 leicht angepasst, ist es nun immerhin möglich, einem Assistenzsystem die Fahrverantwortung zu überlassen – zumindest wenn der Fahrer zu jeder Zeit die Kontrolle über das System und das Fahrzeug behält.

Und nicht zuletzt müssen Autofahrer erst einmal Vertrauen in autonome Systeme fassen, gibt Christian Senger, Leiter Automotive Systems & Technology bei Continental zu bedenken. Wie eine aktuelle Studie herausfand, können sich momentan lediglich 5 % der Autofahrer in Deutschland vorstellen, ein vollständig autonom fahrendes Auto zu fahren.

Artikel vom 01.07.2015 aus der Kategorie: Fernlicht Quelle: mein-autolexikon.de/Moritz Nolte